Plattform

Rainer Koch

Es freut und ehrt mich, dass ich mich auf dieser Plattform vorstellen darf.

Zur Person

Geboren bin ich in Luzern, aufgewachsen in Birsfelden (BL). Ich bin verheiratet und habe drei erwachsene Kinder, die alle studieren. Ich lebe mit meiner Familie seit 1984 in Sursee. Man sieht mich oft auf dem Velo, das ich als Fitnessgerät, als Vehikel zur Geistesdurchlüftung und natürlich auch als Verkehrsmittel im Umkreis von Sursee einsetze.

Werdegang

1982 erwarb ich am damaligen Konservatorium in Bern (heute Hochschule der Künste Bern) mein Lehrdiplom für Querflöte. Seitdem habe ich mich immer wieder weitergebildet, vor allem im musikpädagogischen Bereich, verfolge ich doch mit grossem Interesse die Entwicklungen in diesem Segment. Vor etwa 15 Jahren habe ich das Singen entdeckt, das zu meinem musikalischen Hobby geworden ist. Ich wirke unter anderem im Ensemble „ProMusicaViva“ mit, einem ambitionierten kleinen Ensemble, das sich vor allem der a Capella Musik verschrieben hat.

Tätigkeit

Ich unterrichte an der Musikschule Region Sursee Querflöte und ein kleines Pensum Blockflöte. Mit Freude versuche ich Kinder und Erwachsene an die Musik heranzuführen, ihre eigene kreative Seite entdecken zu lassen und sie bei deren Verwirklichung zu unterstützen. Das Laien-Musizieren erachte ich als ein sehr wichtiges Element, auch in meiner Arbeit als auftretender Musiker. Die Mischung von Profis und Laien ist für beide Seiten bereichernd und lehrreich. Es lassen sich so, wenn geschickt in die Wege geleitet, Projekte auf ansprechenden Niveau verwirklichen. Nicht zuletzt wird diese Art von Zusammenarbeit in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen und trägt zur verstärkten Akzeptanz unseres Berufstandes bei.

Ein Gedanke

Ich stelle mir oft die Frage, warum wir Musikpädagogen uns in politischer aber auch in
soziokultureller Hinsicht so wenig als Gemeinschaft begreifen. Hat uns das Üben von Tonleitern, Etüden, Sonaten etc., im stillen Kämmerlein von Jugend an zu Einzelkämpfern erzogen? Sehen wir in unseren Berufskolleginnen und -Kollegen vor allem Konkurrenten? Erschöpft sich das Zusammengehörigkeitsgefühl nur im gemeinsamen Musizieren?
Die meist ungenügende Wahrnehmung unserer Arbeit in pädagogischer und musikalischer Hinsicht in der Öffentlichkeit hängt meiner Meinung nach auch mit diesem Umstand zusammen.
Der MLV leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung, nicht nur nach aussen im Vertreten unserer berechtigten Anliegen, sondern auch bezüglich seiner Mitglieder nach „innen“.
Mein Wunsch wäre somit ein stärkeres „Klassenbewusstsein“, aber auch ein vernetztes Denken im Sinne von Reflexion über die Konsequenzen meiner Arbeit in meinem gesellschaftlichem Umfeld.
Ich bin überzeugt, dass es uns auf diese Weise gelingen wird, neben vielem anderem, die
Wichtigkeit unseres pädagogisches Tuns vermehrt ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.

 

Jeffrey Stone

 

 

Im Jahr 2010 werde ich mein 40-jähriges Berufsjubiläum feiern können. Das heisst, seit 40 Jahren übe ich den Beruf des professionellen Musikers aus. Das ist eine lange Zeit, wenn man nur in einem einzigen Beruf arbeitet. Aber war es wirklich nur „ein“ Beruf?

Angefangen habe ich mit 24 Jahren als Theaterkapellmeister in Deutschland. Ich habe als Korrepetitor und Dirigent gearbeitet und nach Zwischenstationen in Hagen und Krefeld bin ich schliesslich in Luzern gelandet. Insgesamt habe ich 10 Jahre beim Theater verbracht. Damals habe ich zuerst Operetten dirigiert, aber an meiner zweiten Theaterstelle musste ich ziemlich alles leiten, auch Opern und Schauspielmusik, die ich zum Teil auch noch schreiben musste. Es hat etwas Prägendes, dieses „Mädchen für alles“ zu sein. Man wird vielseitig, man versteht die Musizierpraxis auf allen Ebenen. Wie ich nebenbei noch Zeit hatte für Kammermusik und das Üben und Feilen an meinen eigenen pianistischen Fähigkeiten, ist für mich heute noch ein Rätsel.

Wie dem auch sei, wollte ich mich nach 10 Jahren Theaterarbeit verändern. Ich hatte eigentlich nie die Absicht gehabt Dirigent zu werden. Ich hatte schliesslich Komposition als Hauptfach studiert. Zuerst an der Universität von Houston in Texas und schliesslich an der grössten Musikschule der Welt (Schülerzahlenmässig), der Indiana Universität. Ich hatte damals bei zwei Hindemith Schülern studiert, die meine Einstellung zur Modernen Musik wesentlich geprägt haben. Ich wusste, wenn ich im Theater weitermache, würde ich wahrscheinlich nie wieder eine Note Musik schreiben. Zudem kamen mehr Angebote für Kammermusik, Solospiel und Liedbegleitung, die für mich auch interessant waren und wofür es beim Theater zu wenig Zeit gab.

Im Jahr 1980 wechselte ich zum freischaffenden Musiker mit Klavierunterricht als finanziellem Standbein, und ich habe es bis heute nicht bereut. Bis 1990 konnte ich trotzdem dirigieren, hauptsächlich Tourneen, aber ich hatte auch mehr Zeit für viele andere Dinge und konnte endlich „Ja“ oder „Nein“ sagen, wie ich wollte.

Im Moment weiss ich nicht, ob ich eher Lehrer, Komponist, Arrangeur oder Pianist bin. Bis vor kurzem habe ich im 21st Century Orchester und in ihrer kleineren Formation, dem Salon Orchester, gespielt, was mir viel Spass gemacht hat. Das Arrangieren für Ensembles habe ich vor 25 Jahren angefangen und das mache ich immer noch. Ich habe auch viel Musik für Blechbläser arrangiert und komponiert, sowie für das 21st Century Orchester. Im Jahre 1999 habe ich für die Stadt Aarau, welche das 150-jährige Jubiläum feierte, ein Te Deum geschrieben und später für die Hofkirche Luzern eine Messe und Geistliche Lieder komponiert, die auch kürzlich auf CD erschienen sind. Und dazu noch viel, viel Unterrichtsliteratur für Klavier. Also spiele ich heute weniger, dafür schreibe ich mehr.

Interessant ist die Tatsache, dass ich 10 Jahre Musik professionell gemacht habe, ehe ich mit

Unterrichten angefangen habe. Das gibt einem einen anderen Zugang zum Unterricht, glaube ich, als wenn man direkt vom Konservatorium als Lehrperson ins Schulzimmer kommt. Man kennt die Musikpraxis auf allen Ebenen. Man hat einen anderen Zugang zur Musikliteratur und nicht nur diejenige für das eigene Instrument. Somit konnte ich zum Beispiel, wenn ich Klavierkonzerte unterrichten musste, auch Tipps geben, wie der Dirigent bei einer Stelle den Takt schlagen würde, oder wo man auf ihn oder das Orchester besonders achten müsste.

Aber wenn man, wie ich, seit 30 Jahren unterrichtet, kommt man nicht drum herum zu bemerken, wie sich die Schüler im Laufe der Zeit verändert haben. Früher musste man nicht so viel Motivationsarbeit leisten. Es gab auch nicht so viel Konkurenz mit anderen Aktivitäten. Heute stellen manche Schüler fest, dass man (o Schreck!) ARBEITEN muss, um ein Instrument zu erlernen! Aber dennoch, mit den seriösen Schülern (und es gibt sie, Gott sei Dank) kann man sehr gut arbeiten, und man spürt immer noch eine gewisse Befriedigung selbst nach so vielen Jahren. Ich hoffe ich habe manchem Kind etwas Freude an Musik vermitteln können. Ob sie wirklich wissen, welches Geschenk das ist? Ich wünsche der jüngeren Generation von Musiklehrern viel Kraft und Ausdauer. Man sagt „All is fair in love and war“. Ich meine, Musikunterricht enthält beides! (Hier gehörte zeitgemäss ein Smiley hin!)

 

Bernhard Mettler

Bernhard Mettler, der letzte Leiter der Musikschule Littau

Es sagt schon einiges, dass ich mich als ‚Arbeitgebervertreter’ auf der MLV-Plattform vorstellen darf...

Vor allem zeigt es, dass Musikschulleiter/innen in der Regel auch Musikschullehrer/innen sind (hoffentlich auch MLV-Mitglied) und damit die Auswirkungen ihrer Arbeit am eigenen Leib erfahren!

Zur Person

Geboren im Kanton Schaffhausen/Gut 50 Jahre alt/Ehefrau aus Tokyo/2 Söhne im Studium.

Die Lehrjahre

Mein Musikstudium hat 11 Jahre gedauert, 2 Jahre in der Schweiz (SMPV-Lehrdiplom) und 9 Jahre in Köln und West-Berlin mit Abschlüssen in Klavier, Liedbegleitung und Dirigieren/Korrepetition. Gelernt habe ich aber vor allem von Musiker/innen, mit denen ich zusammengespielt habe: Als Student (Schwerpunkt Neue Musik, Liedbegleitung) und als Korrepetitor an der Deutschen Oper Düsseldorf-Duisburg und an der Deutschen Oper Berlin (ich bin also ein echter Deutsch-Schweizer - ohne Berührungsängste vor oder hinter dem Bindestrich). Mein Glück war es, dass ich an relativ grossen Hochschulen studiert und an grossen Opernhäusern gearbeitet habe - da ich nicht aus einer Musikerfamilie stamme und in einer musikschulfreien Zone aufgewachsen bin, musste ich mir relativ spät noch vieles aneignen, was für andere selbstverständlich ist. Da ist eine inspirierende und niveauvolle Umgebung natürlich sehr hilfreich.

Die Berufsjahre

Was meinen Berufsweg betrifft, so habe ich oft Schwierigkeiten, ihn zu erklären. Erstens war nichts geplant, also ist jegliche Erklärung im Nachhinein konstruiert. Zweitens besteht anscheinend die Ansicht, dass es bei den Musik-Berufen eine Hierarchie gibt: Wer etwas kann, macht Musik, wer dies nicht so gut kann, unterrichtet (und wenn es ein Witz sein soll, geht es weiter: Wer auch nicht unterrichten kann, unterrichtet diejenigen, die unterrichten). Ich kann dieses Denkmuster nicht nachvollziehen. Meiner Meinung nach habe ich mich völlig frei für die Musikschule als Hauptbereich der Berufstätigkeit entschieden. Seit 20 Jahren leite ich die Musikschule Littau und unterrichte Klavier. Zwischendurch war ich gleichzeitig für 2 Jahre Studienleiter am Luzerner Theater. Für mich ist es auch wichtig, einen Teil meiner Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten (in den letzten Jahren für die Luzerner Kantorei, den VMS und die Kulturkommission Littau) einzusetzen.

Einige Gedanken/Fragen zu unserer Arbeit

· Woran liegt es, dass sich die rund 8000 CH-Musikschul-Lehrpersonen nicht in EINER Gewerkschaft organisieren können?

· Ist es die Aufgabe der Musikschulen, sogenannte ‚Schlüsselkompetenzen’ zu fördern? Ich glaube es reicht völlig, wenn wir die ‚Musikpraxis’ als einen Bereich der ästhetischen Bildung fördern. Darauf sollte auch unsere Argumentation aufbauen. Braucht es musikalische Bildung? Wenn ja, braucht es Musikpraxis? Und wenn ja, braucht es Musikschulen? Auf diese Fragen müssen wir gute Antworten haben.

· Ab 2010 ist die Musikschule Littau ein Teil der Musikschule Luzern. Wie immer bei Veränderungen sehen manche eher die Chancen und andere eher die Gefahren. Aus meiner Sicht überwiegen die positiven Aspekte (sowohl für die Schüler/innen wie für die Lehrpersonen) bei weitem. Ich habe den Eindruck, dass wir von den neuen Kolleginnen und Kollegen der Musikschule Luzern mit grosser Offenheit aufgenommen werden. Für mich ergibt sich eine leichte Verschiebung vom Generalisten zum Spezialisten. Aber ich werde wohl weiterhin alles tun können, was ich gerne tue: Unterrichten, Begleiten, Üben, die Musikschule (mit)gestalten.

· Für die Zukunft wünsche ich mir eine klarere Positionierung der Musikschulen im Bildungssystem. Ich lese nicht gerne von ‚ausserschulischer’ musikalischer Bildung und führe gleichzeitig eine Musik-Schule. Was soll den das sein, eine ausserschulische Schule?

· Für den Instrumental- und Gesangslehrer/innen-Beruf wünsche ich mir eine Veränderung vom Expertentum zur Professionalität. Damit meine ich: Mehr Diskurs, mehr Reflexion und mehr Forschung. Dies ist aber keinesfalls gleichbedeutend mit ‚mehr Reglementierung’ und auch nicht zwingend mit mehr Arbeitszeit, sondern mit einer anderen Arbeitsweise. Wir sollten unser Wissen vermehrt austauschen und die wesentlichen Erfahrungen festhalten, damit wir sie an die nächste Generation weitergeben können. Ich würde mich jedenfalls freuen, in einer Lerngruppe der Musikschule Luzern meinen Unterricht zu verbessern!

 

 Hanspeter Muri


Biographisches – Vom Gruppenunterricht zum Einzelunterricht und zurück.

Klarinettist, Orchester- und Kammermusiker, Kleinkunst-Ensembles im Bereich Szenische Musik, freie Improvisation. Orchester der „basel sinfonietta“. „tanzende tischmusik“ (Akkordeon & Bassklarinette).

Erste unbefriedigende Erfahrungen mit Gruppenunterricht für Klarinette in den Siebzigerjahren. Danach vorwiegend zufrieden im Einzelunterricht. Gelegentliche Experimente im Partnerunterricht – für mich eine holprige, ungemütliche Angelegenheit.

Seit 2003 intensive Entwicklung der Gruppenmethodik im Rahmen der Projekts „Instrumentales Lernen in Gruppen” der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Hier macht sich Begeisterung und Aufbruchstimmung bemerkbar, allerdings nicht ohne Umdenken und viel Arbeit. Gleichzeitig gewinnt der Einzelunterricht an neuen Farben und Ideen.

Dreier- und Vierer-Gruppen an den Musikschulen Emmen und Stans. Die Schülerinnen beginnen jeweils im Alter von neun bis zehn Jahren.

Ziele im (Gruppen-) Unterrichts

Klarinette spielen lernen. (So banal ist das nicht!)

Spiellust erhalten und fördern. (Bei allem Ernst: Spass muss sein!)

Entdecken, erfinden, forschen. (Auf der Spur des eigenen Antriebs.)

Wir können voneinander lernen. („Also ICH will das alleine rausfinden.“ – auch eine Kraft!)

Wie hat das meine Kollegin hingekriegt? (Kopieren im grossen Stil.)

Welche Wege helfen mir? (Die Freude, Hindernisse überwunden zu habe.)

Im nicht ganz normalen Tierpark „Ladaja”

Kurzgeschichte erfunden und vertont von drei Schülerinnen.

Entstehung:

Hausaufgabe: Jede Schülerin wählt ein Tier und versucht dies musikalisch zu beschreiben. In der Gruppe: Was machen wir jetzt mit diesen Tieren? Es folgen spontane Improvisationen. Anschliessend wird entschieden, welche Geschichte ausgearbeitet werden soll. Um das akustische Geschehen klarer einzugrenzen und die Orientierung in der Geschichte zu erleichtern wird die Geschichte in einzelne Film-Szenen oder Bilder aufgeteilt. Deutliche musikalische Unterscheidungen der Tiere sind wichtig. Hüpfende Katze: Dafür will Laura kurze Töne (Staccato) und Tonsprünge trainieren. So wird der Inhalt zur Motivationsquelle. Ziel: Aufnahme des Stücks, nach Möglichkeit mit Video. (Januar 2004)


Szenen:

Ansage

Leute gehen im Tierpark umher (alle)

Eine kleine Katze (Laura)

Esel (Darja)

Faultier (Jasmin)

Das Faultier träumt (alle)

Esel beginnt mit dem Faultier zu streiten

Die Katze bringt eine neue Idee, der Streit geht vergessen, Leute gehen umher.

Plötzlich taucht „Pink Panther” auf …

Kalender

Eigenkompositionen mit Bildern von drei Schülerinnen.

Entstehung:

Ende September lief die Gruppe ziemlich träge. Der Lehrer schlug vor, wieder mal eigene Musik zu erfinden: „Bäh, au nein, jawohl …”. Mit Einführung der Notenschrift wurde monatelang ausschliesslich „fertige” Musik gespielt. Die eine Schülerin hatte keine Lust auf Improvisation, eine wollte keine Geschichte erzählen und die dritte hatte fünfzig blumige Ideen. Aber Bilder und dazu Musik finden war allen recht. Schliesslich einigte man sich begeistert (per Händedruck) auf einen Kalender.

Nach den Herbstferien brachte jede Schülerin vier Monatsbilder mit. Allmählich entwickelten die Klarinettistinnen zu jedem Monat einen Tonvorrat inklusive Rhythmus-Muster. Dieses Rohmaterial tauschten sie untereinander aus. Nun entstanden aus Improvisationen je vier Monats-Melodien. Die finale Tonaufnahme brachte einen gehörigen Motivationsschub.

Im Juni 2008

Aus dem Leben von Andrea De Moliner, Pianistin und Klavierlehrerin
Es ist mir eine Ehre, die Reihe "aus dem Leben von.." fortsetzen zu dürfen. Obwohl ich nur als Gast an einer Vorstandssitzung des MLV teilnahm, bin ich doch dem MLV verbunden, sind doch einer meiner Arbeitgeber und eine liebe Kollegin im Vorstand tätig und die Arbeit des MLV verfolge ich mit Interesse und Dankbarkeit.
Seit nun schon über 20 Jahren unterrichte ich Klavier an der Musikschule Willisau, seit über 10 Jahren an der Musikschule Luzern. Und noch immer lerne ich von meinen Schülern das Unterrichten.
An meiner Arbeit schätze ich sehr die Eigenverantwortung. Was die Methode, die Stückwahl, die Auftritte der Schüler betrifft, können wir selber entscheiden, was zumutbar und fruchtbar ist. Und immer wieder erlebe ich Überraschungen, wenn ich Schüler vor exponierte Situationen stelle, einen Wettbewerb etwa. Es kommt immer wieder vor, dass Schüler selber überrascht sind über ihre eigenen Fortschritte, weil sie den Mut hatten, sich der Situation zu stellen.
Ich bin sehr dankbar, dass wir über die EPTA, über den SMPV, über Kurse der Musikschulen verschiedenste Impulse erhalten, wie wir unsere pädagogische Trickkiste bereichern können. In letzter Zeit erlebe ich, wie viele KollegInnen auch, einen Zulauf von sehr kleinen Kindern. Zum Glück habe ich in München ein Patenkind, das seit seinem 4. Lebensjahr bei Swen Fischer Klavierunterricht nimmt (www.playy.de), bei dem ich schon einige Male hospitieren durfte. Fischer hat sich spezialisiert auf den Beginn im Vorschulalter und erreicht Erstaunliches. Aber so weit wie er würde ich nicht gehen: er arbeitet schon mit Kindern im ersten Lebensjahr. Auch Pia Siegwart, eine Kollegin aus der Musikschule Luzern, die vor Jahren nach Kalifornien emigriert ist, hat uns eine Methode für kleine Kinder nahegebracht, Spiele, mit denen einige Grundbegriffe schnell und auf sehr unterhaltsame Weise gelernt werden können.( www.musicmindgames.com ). Daneben bin ich froh, das Programm "Finale" schon etwas im Griff zu haben, ein Notationsprogramm mit enorm vielen Möglichkeiten, sehr effizient, vielseitig, hilfreich für viele Situationen.
Nach meinen Studien an den Musikhochschulen Luzern und Zürich in den Fächern Klavier und Cembalo war ich für 10 Jahre im Vorstand des SMPV Zentralschweiz tätig, davon 6 Jahre als Präsidentin (www.smpv.ch). Nach der Herausgabe einer neuen Ausgabe des Buches "Prüfungen Musik" war für mich aber der Wunsch, wieder vermehrt selber zu musizieren, zum dringenden Bedürfnis geworden. Ich hatte doch gemerkt, dass wir als Lehrende in ersten Linie Vorbilder sind, jeder, der Unterrichtet, ist am authentischsten, wenn er das, was er weitergibt, schlicht vorlebt.
Jetzt unterrichte ich ca. ein volles Pensum und gebe daneben Konzerte, als Korrepetitorin für Schüler und Jungtalente, als Assistentin an Kammermusikkursen (www.kulturkreisarosa.ch), als Kammermusikerin mit verschiedenen Musikerkollegen (www.musicapoetica.ch, www.smpv.ch). Und jeder Auftritt gibt mir Impulse für meine Arbeit mit meinen Schülern, lässt mich wieder erleben, was vor Publikum Bestand hat, was aber auch im Konzert einfacher läuft als im stillen Kämmerlein.
Daneben lebe und denke ich gerne als Bürgerin von Italien, meiner 2. Heimat, ich bin Doppelbürgerin, ein Erbe meines Grossvaters, der aus Belluno im Veneto stammt. Ich lese im Moment mehr italienische als deutsche Bücher, habe auch im Sinn, im Juni die Prüfung CELI 5 zu machen, das ist das Proficiency in Italienisch. Das ist für mich auch Kultur: das Lernen von vordergründig Nutzlosem, aber beim zweiten Blick enorm Bereicherndem.
Auch auf hoher See ist mir wohl, habe den Hochseeschein für Segel-und Motorjachten und empfinde das Leben an Bord als ungemein schön, spannend, erholsam, lehrreich, vielseitig.
Ein weiteres Erbe von meinem Vater ist meine Leidenschaft fürs Kochen. Er war über 30 Jahre lang Koch und Wirt. Ich gehe auch auf Stör und mache gerne das Menu für Feste von Freunden. Am wohlsten ist mir, wenn ich mindestens 30 Leute bekochen darf.

 

Aus dem Leben von Doris Estermann, Geigerin und Musikpädagogin

Es freut mich sehr, als ehemaliges MLV – Vorstandsmitglied diese Plattform eröffnen zu dürfen und gratuliere zur MLV – Homepage!

Anfänger-Gruppenunterricht


VON WIEN NACH LUZERN

Schon während meines Studiums am Salzburger Mozarteum und an der Hochschule für Musik in Wien (Lehrdiplom Violine und Schulmusik 1 und 2) galt mein besonderes Interesse der Arbeit mit Klein- und Vorschulkindern. Ich absolvierte deshalb als Schwerpunkt das Fach „Früherziehung“ (ähnlich dem Grundschulunterricht, die Kinder sind allerdings 3 bis 5 - jährig), bei meiner Arbeit an der Musikschule fehlte mir dabei aber die Verbindung zu meinem Instrument.

Nach meiner Heirat in die Schweiz stiess ich durch das Interesse meiner eigenen Kinder, Violine zu spielen, auf die Suzuki – Methode; die Kinder beginnen dabei im Alter von ca. 4 Jahren mit dem Unterricht – ich hatte nun eine Möglichkeit gefunden, um in meinen Unterricht auch die jüngeren Kinder einbeziehen zu können!

Daraufhin begann ich mit der Ausbildung und unterrichte jetzt vorwiegend nach dieser Methode. Die Kinder von klein auf in ihrer Entwicklung im und durch den Instrumentalunterricht viele Jahre hindurch begleiten zu dürfen, macht mir grosse Freude!

Was verbirgt sich nun hinter der Suzuki – Methode?

Der frühe Unterrichtsbeginn, das Lernen durch Hören, Beobachten, Nachahmen und Wiederholen, (nach dem Prinzip des Muttersprachenerwerbs), das Notenlernen im Schulalter, von Beginn an Einzel – und Gruppenunterricht, die Elternmitarbeit, kindgerechte Unterrichtsformen (viele Spiele, Bilder, Geschichten), CD`s mit Aufnahmen der Unterrichtsliteratur

…... sind die Grundpfeiler, die meinen (v.a. Anfangs-)Unterricht ausmachen.

Zusätzlich biete ich Projekttage mit verschiedenen Schwerpunkten an, bin bei Geigenkursen tätig und pflege gerne den Austausch mit anderen Lehrern im In- und Ausland.

Ich selbst spiele in verschiedenen Orchester- und Kammermusikformationen, wobei mir Salonmusik besonderen Spass macht.

Ausserhalb der Welt der Musik trifft man mich beim Wandern, Schifahren, Lesen oder bei einem Spieleabend mit Freunden.

Ich wünsche allen viel Freude beim Unterrichten und freue mich auf neue Kontakte!

Doris Estermann

mail to: estermann-renzler@bluewin.ch

"Wer weiss, welchen Ton ich gespielt habe?"