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Darf’s es bitzeli weniger sii?

Artikel erschienen im LLV DISKURS 4-15/16

Kein offenes Ohr bei Instrumental- und Gesangslehrpersonen für das Ergebnis der Arbeitsplatzbewertung 2015

Dieser Moment brannte sich in mein Gedächtnis ein:
An unserer MLV-GV vom 24.10.2015 kommt es bei Charles Vincent nach langer Erläuterung über die GFO-Studie (Arbeitsplatzbewertung) und deren Bearbeitung durch eine von der DVS ernannte Begleitgruppe über die Lippen in welche Lohnklasse wir Instrumental- und Gesangslehrpersonen eingereiht worden sind: LOHNKLASSE 19! Das Blut gefriert in meinen Adern. Als Herr Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung (DVS) mit der Neueinreihung der übrigen Berufsklassen fortfährt, wird klar: Es wird noch schlimmer als befürchtet, da die Instrumental/Gesangslehrpersonen (I/G-Lehrpersonen) als einzige Berufskategorie überhaupt hinuntergestuft worden sind.

Wir erinnern uns:

Als im 2010 die Musikschulen ins Volksschulbildungsgesetz aufgenommen worden sind, wurden die Musikschullehrpersonen um 2 Stufen  tiefer eingereiht (von Lohnklasse 21 auf Lohnklasse 19). Für eine diplomierte Musikschul-Lehrperson (Master of Arts in Musikpädagogik) galt bis 2010 als Massstab der Sekundarlehrerlohn, eben Lohnklasse 21.

Wohl wurde im Frühling 2012 das ganze Besoldungssystem um eine Lohnklasse angehoben, die MS-Lehrpersonen befinden sich seither bei Lohnklasse 20, jedoch sind die Sekundarlehrerlöhne bei Lohnklasse 22 eingereiht. Die Kategorie „Schulische Dienste“  ist jetzt gemäss Besoldungsverordnung des Kantons Luzern (BVOL) die Vergleichsgruppe für die MS-Lehrpersonen.

Warum hat der MLV nach dem 24. Oktober 2015 das Ganze nicht an die grosse Glocke gehängt?

  • Konsultationdatum: Die Konsultation war auf anfangs Januar terminiert. Dabei mussten drei Fragen beantwortet werden.  
  • Dokumentation der GFO-Studie und deren Auswertung: Der MLV hat die Dokumentation  erst im November 2015 erhalten. Die von Ch. Vincent ausgehändigten Unterlagen dienten zum Beantworten der drei Konsultationsfragen.
  • Klärungsbedarf: Verschiedene Verbände waren von der DVS beauftragt worden, jeweils eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern für die Befragung zur Verfügung zu stellen. Wie sich nach einigen Recherchen herausstellte, gehörte der MLV nicht dazu.
  • Brief vom MLV an den Regierungsrat, datiert 24. Februar 2016.
  • Antwort vom Regierungsrat im Schreiben vom 22. März 2016.

Der MLV wollte die Abläufe respektieren.

Da es sich herausgestellt hat, dass der MLV nicht zu den Adressaten der DVS gehörte, war es nicht einfach den Ablauf und die Auswirkung dieser Arbeitsplatzbewertung abzuschätzen.

Fest stand: Der LLV hat die Studie ursprünglich beantragt um die Kindergartenlehrpersonen in der Lohnklasse zu heben, da sich dieses Berufsbild verändert hat.

Der LLV ist für die Studienbefragung bzw. für das Stellen von Lehrpersonen diverser Berufstufen der Volksschule einbezogen worden. Er hatte jedoch keinen Auftrag, die Musiklehrpersonen einzubeziehen und hat den MLV auch nicht rechtzeitig über diese Situation informiert.

Hingegen wurde der Verband der Musikschulen (VML) - notabene ein Arbeitgeberverband -  mit der Aufgabe betraut, zwei Instrumental-/Gesangslehrpersonen für die GFO-Befragung zu nominieren. Pikant ist: derselbe VML findet die Herabstufung der I/G-Lehrpersonen zwar bedauerlich, durch die Besitzstandwahrung und die Reduktion der Unterrichtsverpflichtung um eine Stunde jedoch durchaus akzeptabel.

Diese Argumentation kann der MLV nicht gelten lassen! Vor allem die neu in den Beruf eintretenden Musiker müssen die Herabstufung ausbaden. Jede Lohnklasse macht beim Lohnminimum ca. Fr. 3.000 Differenz aus, was sich notgedrungen auf das Lohnmaximum auswirkt (siehe auch Artikel in der NLZ vom 9.März 2016 „Ein Beruf wird zurückgestuft“). Die Differenz zur ursprünglichen Vergleichsgruppe Sekundarlehrperson beträgt nun 3 (!) Lohnklassen – man rechne!

Wie hat der MLV bei dieser misslichen Situation versucht zu intervenieren?

  • Konsultationsschreiben mit dem Betreff „Fragen zu den Besoldungseinreihungen für Lehrpersonen der Volksschule“ datiert 7.1.2016:
    Antwort des MLV zu Frage 1: „Nein, für Instrumental- und Vokallehrpersonen stimmen wir der vorgeschlagenen neuen Einreihung nicht zu, siehe Bemerkungen.“
    Antwort des MLV zu Frage 2: „Ja zur Umsetzung der neuen Einreihung in zwei Schritten“
    Bemerkungen des MLV zu 3. „…..Unsere spezifische Unterrichtssituation ermöglicht keinen direkten Vergleich mit den übrigen Volksschullehrpersonen.“
     
  • Brief an den Regierungsrat mit dem Betreff „Nicht-Eintreten durch den Regierungsrat zu der vorgeschlagenen Lohnklassen-Neueinreihung der Instrumental- und Gesangslehrpersonen“ datiert 24.2.2016. Antrag: „Aus Gründen der Ungleichbehandlung und der Nicht-Einbindung des Berufverbandes der Instrumental- und Gesangslehrpersonen an Musikschulen im Prozess der neuen Besoldungseinreihungen, ersuchen wir den Regierungsrat, bei den Instrumental- und Gesangslehrpersonen auf die in der Studie vorgeschlagene Lohnklasseneinreihung 19 nicht einzutreten und die aktuelle Lohnklasse 20 beizubehalten.“

Die Antwort des Regierungsrates vom 22. März 2016 an den MLV lässt die Türe noch einen kleinen Spalt weit offen mit folgender Bemerkung am Schluss: Die Anpassung der Besoldungseinreihung für die Musiklehrpersonen ist erst in einem allfälligen zweiten Schritt der Besoldungsrevision der Volksschule vorgesehen. Der Regierungsrat wird darüber nach Massgabe der zur Verfügung stehenden Mittel zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Vor diesem Entscheid wird er die Anpassungen nochmals prüfen.“

Dem MLV bleibt noch ein wenig Zeit um weitere Schritte zu unternehmen. Aufgrund des Zwei-Schritte-Plans der Regierung erfolgen die meisten Anpassungen bei den Besoldungsklassen erst 2017/18. Wir vom MLV-Vorstand rufen alle Mitglieder auf ihr Interesse zu bekunden und ganz zahlreich an der nächsten GV vom 22. Oktober 2016, 09:30 im Hotel Cascada Luzern dabei zu sein, um den Vorstand auch mit konkreten Gedanken zu unterstützen. Es lohnt sich übrigens sehr in unserer Homepage zu stöbern mlv.llv.ch.

Ein anderer Musiklehrerverband versucht sich der Verschlechterung der Anstellungsbedingungen zu widersetzen. Hier eine Meldung von Marc Hunziker:
„Die Instrumentallehrpersonen der Luzerner Mittelschulen haben, um sich gegen eine weitere massive Verschlechterung der Anstellungsbedingungen zu wehren, im Februar 2015 eine Normenprüfung beim Kantonsgericht eingereicht. Das Verfahren ist noch hängig und ein Entscheid des Kantonsgerichts ist noch nicht absehbar.“

Helene Tezzele Knüsel
Im Vorstand MLV