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Musikschulen im Kanton Luzern

Die Musikschuen im politischen Umfeld des Kantons Luzern

Nach der effizient abgehaltenen 22. ordentlichen GV des MLV im Hotel Cascada in Luzern fand anschliessend eine Podiumsdiskussion statt. Unter der kompetenten Leitung der Journalistin Astrid Bossert Meier kamen Vertreter aus den verschiedenen Gremien rund um die Musikschulen im Kanton Luzern zu einer interessanten Gesprächsrunde zusammen.

Die Podiumsteilnehmer waren:
- Regula Ineichen, Präsidentin MLV (Musiklehrerinnen und -lehrerverein des Kantons Luzern)
- Franz Grimm, Präsident VML (Verband für die Musikschulen des Kantons Luzern)
- Felix Arnold, Co-Präsident SMPV Sektion Zentralschweiz (Schweizerischer Musikpädagogischer Verband)
Marc Hunziker, Vertretung VLM (Verband Luzerner Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer), FV Instrumentallehrpersonen
- Jost Feer, Vertretung MSK (Kant. Musikschulkommission), Kantonaler Musikschulbeauftragter
- Brigitte Troxler, Vertretung VLG (Verband Luzerner Gemeinden), Bereich Bildung und Kultur und Präsidentin MSK
- Annamarie Bürkli, Präsidentin LLV (Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband)

Als Einleitung wies Regula Ineichen anhand einer Folie mit allen Abkürzungen dieser Vereine und Verbände darauf hin, in welchem komplexen Umfeld sich der MLV befindet - was man anhand der obigen Auflistung unschwer erkennen kann. Astrid Bossert übernahm daraufhin die Leitung und lud zu einer Vorstellungsrunde der einzelnen Player ein:

- Der MLV setzt sich als gewerkschaftlicher Verein für die Belange, beispielsweise die Anstellungsbedingungen, der Musiklehrpersonen im Kanton Luzern ein.
- Der VML als Verband mit je zwei Vertretern aller kommunalen Musikschulen des Kantons Luzern vertritt die Interessen der ganzen Musikschule, also auch diejenigen der Lehrpersonen, der Musikschüler und der Eltern gegenüber der Gemeinde und des Kantons und ist Ansprechpartner für den Kanton und den VMS (Verband Musikschulen Schweiz).
- Der SMPV als grösster und ältester musikpädagogischer Verband operiert schweizweit und ist in 15 regionale Sektionen aufgeteilt; Weiterbildungen, Diplome, Konzertreihen, Richtlinien für Privatunterricht.
- Marc Hunziker als Vertreter der Instrumentallehrpersonen im VLM sieht sich als Sprachrohr der Musiklehrpersonen an den kantonalen Mittelschulen. Er plädiert dafür, dass sich die Musiklehrer an den Kantonsschulen mit der Lehrerschaft der kommunalen Musikschulen zusammen tun sollten, statt sich politisch gegeneinander ausspielen zu lassen.

- Für den Kanton steht die MSK, welche mit dem Musikschulbeauftragten Jost Feer für die Qualitätssicherung an den kommunalen Musikschulen zuständig ist und mit Gesetz und Verordnung Leitplanken und Empfehlungen aufstellt.
- Brigitte Troxler vom VLG und ebenfalls Mitglied in der Kantonalen Musikschulkommission stellt bei den Musiklehrpersonen je nach Gemeinde grosse Unterschiede betreffend Pensionskassenbeiträge, Dienstaltergeschenke etc. fest.

- Der LLV unterstützt den MLV mit seiner Infrastruktur wie Geschäftstelle, Rechtsberatung, Eingaben bei Vernehmlassungen etc. Als Mitglied des MLV ist man automatisch auch Mitglied des LLV und kann nur so von persönlicher Beratung profitieren.

Nach der Einführungsrunde brachte Astrid Bossert mittels Fragen und Fallbeispielen gekonnt einige Brennpunkte des Musiklehrer-Alltags zur Diskussion:

Mit dem Fallbeispiel einer Musiklehrperson mit drei Anstellungen in verschiedenen Gemeinden wurden der grosse Aufwand für die Arbeitswege (in der Freizeit und ohne Vergütung), die familienfeindlichen Arbeitszeiten, die schiere Unmöglichkeit, 100 Prozent zu arbeiten, die Gratwanderung und der administrative Aufwand bei gleichzeitig pädagogischer und künstlerischer Berufstätigkeit beleuchtet und ein besonderes Augenmerk auf Versicherungsfragen geworfen. Bei der Pensionskasse waren sich alle einig, dass die PK Musik und Bildung eine sehr gute Vorsorgelösung für Musikschulen darstellt. Bei mehrfach Teilzeitbeschäftigen stellt sich sonst oftmals das Problem, dass ihre Teilpensen die Eintrittsschwelle für die berufliche Vorsorge nicht erreichen. Im Kanton Luzern scheinen sich erfreulicherweise die meisten (alle?) kommunalen Musikschulen dieser speziellen Pensionskasse angeschlossen zu haben. Jedoch entscheiden die Gemeinden, in welcher BV- Stufe ihre Musikschul-Angestellten versichert werden - je höher die Stufe, desto mehr bezahlt der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer. Somit variieren diese Beiträge je nach Musikschule bei gleicher Arbeitstätigkeit der Musiklehrperson! Ist die Lehrperson dann noch an einer Kantonsschule oder in einem anderen Kanton angestellt, wird das gesetzliche Minimum an jenem Arbeitsplatz evtl. nicht erreicht oder es gibt einen Koordinationsabzug.

Nach angeregter Diskussion stellte Astrid Bossert als nächstes die Frage, ob es alle Gremien braucht, die hier vertreten sind und wo Synergien möglich sind. Sie öffnete die Gesprächsrunde auch für das Publikum. Hier ein paar Brennpunkte, die den Anwesenden unter den Nägeln brennen:

Die verschiedenen Verbände und Gremien braucht es, aber bitte alle am gleichen Strick ziehen. Die Musiklehrpersonen sollen sich organisieren, Präsenz markieren > Gefahr der Verzettelung bei verschiedenen Verbänden?

Wieso gehen die Luzerner Kantonsschulen z.T. sehr unterschiedlich um mit dem Instrumentalunterricht der Kantonsschüler in den Gemeinden? Und wäre es nicht für alle Kantonsschulen möglich, die Stundenpläne schon vor anstatt erst während der Sommerferien zu veröffentlichen, da der Musikunterricht in den Gemeinden bereits in der ersten Schulwoche startet...?!

Vereinheitlichung der Besoldung von Musiklehrern: aufgrund von Qualifikation (Ausbildung) oder Funktion (Primarschüler, Kantischüler etc.)?

Die Schlussfrage an die Podiumsteilnehmer, was sie mit einem grossen Geldgeschenk für die Musikschulen anstellen würden, wurde mit folgenden Wünschen beantwortet:

Förderung der Ensembles, Begabtenförderung, moderatere Elternbeiträge, kein Abbau der Angebote in den Dörfern, einen Fonds für Musiklehrpersonen mit kleinen Pensen, grössere Pensen für Musikschulleitungen, Anstellungsbedingungen für die Musiklehrpersonen direkt beim Kanton, SMPV und MLV zusammenführen, und eine Prämie auszahlen für die Teilnahme an der jährlichen GV des MLV!!

So hoffen wir doch, dass sich der eine oder andere Wunsch in den nächsten Jahren erfüllen wird!

Regula Ineichen bedankte sich bei den Teilnehmenden und der Leiterin der Podiumsdiskussion - unter herzlichem Applaus wurde ihnen ein Präsent vom MLV überreicht. Auch den Mitgliedern wurde für ihre Teilnahme an der GV gedankt und alle wurden zum anschliessenden Apéro eingeladen. Den liessen sich die meisten nicht entgehen und im ungezwungenen Rahmen wurde weiter mit Kolleginnen und Kollegen geplaudert und diskutiert.

Sara Zoll
Vorstand MLV